Nach einer Woche des Staunens habe ich mich nun wieder vollkommen eingelebt. Es ist wirklich schön in Deutschland, vor allem bei sonnigen Temperaturen. Aber auch der Regen ist herrlich. Nicht zu vergleichen mit Indien. An alle, die diesen Blog gelesen verfolgt haben, möchte ich Danke sagen, dass ihr solch ein Interesse an meinen Erfahrungen hattet. Ich werde versuchen den Blog weiterzuführen, aber mein Hauptaugenmerk liegt im Moment auf einem neuen Blog.
www.geographieblog.de
Dort werde ich über die Geographie bloggen. Ihr seit herzlich willkommen. Und schöne Grüße an die verbleibenden Inder
Kaum zu glauben, aber ich bin wieder zurueck in der Heimat. Nach einem recht ruhigen Flug, bin ich gestern in Frankfurt gelandet. Es ist schoen hier in Deutschland und wenn man aus Indien kommt, dann wirkt es wie das Paradies. Alles ist gruen, sauber und entspannt. Das sind auch die grossen Unterschiede, die mir aufgefallen sind. Aber der Teufel steckt ja im Detail. Zum Beispiel haben die Deutschen Tastaturen ein “Ü”, was herrlich ist. Nie wieder das ue/ae und Konsorten. Darueber hinaus sind die Deutschen ein wenig meckriger. In Frankfurt standen in der Passkontrolle in einer Schlange. In Indien hätte die Abfertigung locker mal 3 Stunden gedauert, aber die deutschen Grenzer konnten das in 10 Minuten runterreissen. Trotzdem hat jeder um mich herum gemeckert. Besonders beliebt war dort, das Meckern über das Meckern.
Und eine weitere Sache ist mir aufgefallen. Südlich von Hannover ist ja der Märchenweg (Gebrüder Grimm) und die Bahnstrecke führte an den Sieben Bergen vorbei. Dass wissen die meisten ja auch gar nicht, aber diese sieben Berge gibt es wirklich. Ob es die Zwerge und Schneewitschen auch gibt, weiß ich jetzt nicht. Aber bei mir im Abteil hat es niemand gewußt. In Indien wird ja auf alles hingewiesen, selbst, wenn dort mal ein Guru ne Mango gegschält hat.
Dabei gibt es hier bestimmt viel zu entdecken.
Schöne Grüße noch an euch in Indien.
P.S.: Es ist verdammt kalt hier. Nachts hatten wir gestern nur 15°. Da friert alles ein.
Jetzt hat es mich doch noch erwischt. Wie zuletzt in Bristol ist etwas gestohlen worden. Leider ist mein Handy fort, was ja nicht ganz so schlimm ist, aber so muss ich mir alle Nummern wieder neu besorgen. Es ist schon aergerlich, denn eigentlich ist man mit einem guten Vorsatz in dieses Land gekommen und wollte helfen. Gut man haette solch ein teures Spielzeug ja nicht nach Indien nehmen muessen, aber wieso immer das Schlimmste erwarten? Es ist nur ein wenig befremdlich, dass sich jemand schon wieder in die Wohnung geschlichen hat. Nunja, wenigstens ist uns nichts geschehen und wir sind noch alle bei bester Gesundheit. Das zaehlt ja mehr als technisches Spielzeug. Also, wenn ihr Anrufe aus Indien bekommt, beschimpft ihn ruhig und weist ihn darauf hin, dass er als Ziege wiedergeboren werden wird.
Gestern waren wir in der Deutschen Botschaft und haben einen wirklich grandiosen Film gesehen, der einen tiefen Blick in die Indische Seele offengelegt hat. Der Film hiess Fire und sollte von jedem Indien Interessierten gesehen werden. Es geht um zwei Frauen, die eine wurde frisch verheiratet und die andere lebt schon seit Jahren unberuehrt in ihrer Ehe. Beide Maenner ignorieren ihre Frauen. Der eine hat eine Affaere und der andere sucht sein Heil im Glauben. Nur der Zwang und die Tradition haelt diese 4 Menschen, die ueberhaupt nicht fuereinander geschaffen sind zusammen.
Und so ist es wohl sehr haeufig in Indien. Interessant war, dass als das Element Leidenschaft in diese Familie kam, die Oberflaeche aufgebrochen ist und nicht wieder verschlossen werden konnte.
Aehnlich hab ich es auch waehrend meiner Zeit hier beobachtet. Leidenschaft wird in der Gesellschaft weitestgehend unterdrueckt. Einzig die Leidenschaft, oder eher die Sehnsucht nach Status, nach technischen Spielzeug, wie Handys und Motorraeder, wird zugelassen. Leider sind dies aber Begehrlichkeiten, die meistens nur die Maenner haben. Frauen werden dabei eher vernachlaessigt. Ich gehe nicht soweit, zu sagen, dass sie hier in Indien auf breiter Front unterdrueckt werden. Sie werden eher vernachlaessigt, alleingelassen und ihre Wuensche ignoriert. Schwer zu sagen, welche Situation schlimmer ist. Also, schaut euch den Film an, der Hoffnung gibt, auch in Bezug auf die stark dominierenden Bollywood Filme, die immer nach dem gleichen Muster ablaufen. Es gibt auch ein anderes indiensche Kino; gefuehlvoll, provozierend und wunderschoen.
Die letzte Woche hat begonnen und ich fuehle mich grossartig. So langsam kommt die Kommunikation mit der Heimat auch wieder in Gang, was sehr schoen ist. Ich freue ich schon tierisch endlich wieder an der Ihme zu sitzen und genuesslich ein eiskaltes Harry zu trinken. Solch eine Lebensqualitaet gibt es hier nicht. Die Inder lassen sich eher durch Quantitaet ueberzeugen. Ein voller Teller ist halt besser als ein halbvoller. Besonders ist mir das bei den Projekt Fotos aufgefallen, die ich hier fuer Deepalaya geschossen habe. Es zaehlte selten, dass ich 2-3 Kinder super getroffen habe. Es wurde das schlechte Bild genommen, wo die ganze Klasse drauf war. Aber wenn man das mal durchschaut hat, macht man halt gute Gruppenfotos. Aber auch sonst, habe ich das Gefuehl, dass fuer grosse Massen der Gesellschaft, die Qualitaet einer Sache keine Rolle spielt. Am deutlichsten wird das wirklich beim Essen. Von daher freue ich mich auf hochwertige Currywuerste, Biere und frische Luft.
Der Countdown ist im vollen Gang. In einer Woche geht es so langsam zurueck in die kalte Heimat. Zeit also, ueber die Zeit in Indien zu reflektieren. Es ist schon ein komisches Land, bevoelkert von putzigen Menschen, die oft wirken wie kleine Kinder auf der Suche nach einem neuen Spielzeug.
Dabei waere es allerdings fehl am Platz die Inder zu unterschaetzen, denn wenn man sie richtige fordert (was leider nicht of vorkommt), koennen sie grosses vollbringen. So zum Beispiel die Leute bei mir im Office. Eines Tages bin ich mit Amita in ein Projekt gefahren, um mit der Projektleitung ueber Zuschuesse zu verhandeln. Im ersten Moment habe ich sie unterschaetzt und dachte, dass sie einem faehigen Verhandlungspartner nichts entgegen setzen koennte. Aber ich hab mich getaeuscht. Sie wurd ploetzlich knallhart und hat gekaempft wie ein Loewe.
Das ist mir mittlerweile bei einigen Indern aufgefallen. Sie bluehen erst auf, wenn sie aus ihrem Trott heraus kommen. Leider geschieht das nicht sehr haeufig und aus reiner Eigeninitiative rufen sie auch nicht diese Leistungen ab, was sehr schade ist. Sie waeren zu so viel mehr im stande. Aber das ist bei uns ja aehnlich. Auf dem Sessel ist es ja zu gemuetlich, um hinaus zu gehen, und etwas neues zu entdecken.
Wieder zurueck in Delhi, hab ich mir mal Zeit genommen den Nationalsport des Himalaya aufzuschreiben. Die Regeln sehen wie folgt aus:
Man nehme einen Hang mit mindestens 1000 Metern Hoehenunterschied und Serpentinen, die aus Sandpisten bestehen, einen 20 Jahre alten Kipplaster, der schwache Bremsen, abgefahrene Reifen und einen halbbetrunkenen Fahrer (er wirkte jedenfalls so). Das Spielteam besteht nun aus mindestens 10 Indern (ein Geographiestudent kann natuerlich auch nicht schaden). Das Spiel beginnt auf dem Gipfel und der Fahrer rasst mit Karacho ins Tal. Er bekommt Punkte dafuer, wenn einer der Inder herunterfaellt. Dafuer muss er nun allerdings sehr waghalsig fahren und in letzter Sekunde bremsen. Habe ich schon erwaehnt, dass die Abgruende auch mal locker 300 Meter tief sind?
Das Spiel hat eigentlich viel Spass gemacht (nur meine Haende waren wegen des Krallens auf Metall ein wenig zerfurcht) und wir haben auch gleich zu Null gewonnen. Eigentlich haben wir sogar mit 2:0 gewonnen, da es zwei Inder geschafft haben, auf den Kipplaster aufzuspringen.
Die Inder haben sich waehrend der Fahrt sehr entspannt, nur der Geographiestudent war ein wenig gestresst. Manchmal ist es halt hilfreich an die Wiedergeburt zu glauben.

Komme gerade vom Rothang Pass. Es war herrlich. Wir sind soweit gefahren, wie es ging. Bei 3750 Metern war Schluss, da die Strasse gesperrt war. Es lag einfach noch zu viel Schnee. Es war super da oben. In der Ferne konnte man wieder die grossen Kracher sehen. Herrlich.
Und das ist nicht untertrieben. Wir sind heute mit dem Bus 9 Stunden die Serpentinen im Himalaya langgeduest. Das war schon ein Abenteuer. Mein Puls ging kostant auf 180. Man muss bedenken, die Strassen sind hier nicht die besten (halt Indien), der Bus war ein 20 Jahre alter Linienbus aus Delhi und der Fahrer hat die Fahrt ueber bestimmt einen groessen Schluck aus der Pulle genommen. Dazu Abgruende, die gut und gerne 500 ragten. Aber wir sind gut in Manali angekommen. Und es ist der Hammer. Es ist am noerdlichen Ende des Kullu Tales und es wird umsaeumt von einigen richtig hohen Bergen. Von meinem Balkon kann ich den Deo Tibba sehen (immerhin 6002 Meter hoch). Die Stadt ist zwar eine Enttaeuschung, da es aussieht wie in Delhi, aber dafuer ist sie klein und innerhalb von 10 Minuten hat man sie verlassen und man ist in der freien Natur. Morgen wollt ich vielleicht den Rothang Pass hoch (4500 Meter), aber nur wenn ich Muetze und Schaal finde. Gruesse